Logo
Logo
close

Kapitel 1: Auf nach Asien

Deutschland, Mongolei, Ulan Bator, 03.06 bis 07.06.2013

Der Urlaub hat begonnen, endlich. Mit einem Bier zwischen den Beinen und dem Netbook auf dem Schoß sitze ich in einem Stockbett in einem einfachen Hotel in Ulan Bator. Die ersten Urlaubstage sind immer die längsten und diese bringe ich nun kurz zu Papier. Moo Ni liegt im Bett unter mir und liest. Warum wir in einem Stockbett liegen? Das bliebt des Lesers Phantasie überlassen.

Nach einer schier nicht enden wollenden Vorbereitungszeit stehen wir am Schalter von Air China. Zugegeben, es ist kein schlechter Zeitpunkt das ertrinkende Bayern zu verlassen und der Sonne entgegen zu fliegen. Gut vorbereitet stehen wir nun zum zweiten Mal bei Air China. Angeblich wäre die Mitnahme eines Radkartons zuzüglich Rad kein Problem, die kosten dafür sind 56 Euro pro Rad. (Der Radkarton ist übrigens von einem Fahrradgeschäft und misst ca. 2 m mal 1.50 m und beinhaltet neben dem 18 kg Rad noch ein paar Taschen.) Wir erfuhren im Internet das Air China täglich seine Ansichten ändert. Richtig. Diesmal sind es 127 Euro pro Rad, da hilft auch diskutieren nicht. Als der Verantwortliche die Radkartons sieht, sind wir verunsichert und er ist sich sicher, dass diese zu groß sind und bestimmt nicht ankommen, vielleicht in Peking, aber nicht an unserem Hauptziel in Ulan Bator, die Maschine wäre zu klein und überhaupt, hätten wir vorher anrufen sollen und Luftfracht sei besser und billiger. Ok, was nun? A) Sollen wir die Räder hier lassen und nachschicken lassen oder B) spekulieren wir auf die kreativen Asiaten? Wir entscheiden uns für B und müssen dafür besorgt viele Stunden fliegen, um die Antwort zu erfahren.

Um ca. 14 Uhr starten wir und landen (nach Aufenthalt in Peking und nach heftigen Turbolenzen) um ca. 8 Uhr deutscher Zeit, also um 14 Uhr Ortszeit. Durch die Scheibe des Flughafengebäudes sehen wir bereits unser Sperrgut beim Ausladen. Wir sind teilweise erleichtert. Teilweise, weil wir nur ein Fahrrad entdecken und das steht nackt und schutzlos, ohne Karton da.
Die Menschen versammeln sich um das Gepäckband. Franzosen neben uns beschweren sich, da ihre Tasche nicht angekommen ist. Wir können zum Glück alle von unseren 12 Taschen wiederfinden, welche ca. 35 kg wiegen. Die Räder bekommen wir ohne Kartons zurück und die mitverpackten Taschen wort- und etikettenlos in die Hand gedrückt. Erleichterung. Alles da. Alles ganz. Alles super.

Ulan Bator, die Stadt welche uns helfen wird auszuruhen, anzukommen und abzufahren. Von oben sieht die Mongolei schon einzigartig aus. Wir sahen Wüsten, Steppe, Berge und unendliche Weiten Auch die Hauptstadt mit einer Million Einwohner ist mitten im schönen Nichts, am Arsch und Nabel der Welt zu gleich.

Ich werde jetzt keine ausführliche Städtebeschreibung machen, die gibt’s schon genug. Uns sind dreie Dringe aufgefallen, die uns nicht aufgefallen sind, da sie nicht vorhanden sind. Erstens, es gibt keine Tiere. Keine Hunde, keine Katzen, keine Kühe, keine Mücken Natürlich gibt es auch Ausnahmen, dazu komme ich später. Zweitens, es gibt keinen Flair, keine gemütlichen Bars oder chillige Cafes. Alles ist kommunistisch und praktisch und da Romantik nicht praktisch ist, fehlt sie der Stadt. Drittens, es gibt keine Kultur, oder wir fanden sie nicht, bis auf ein Kloster, welches 1990 wiederaufgebaut wurde. Dort sind Straßentauben (die Tierausnahme von oben), welche gefüttert und gestreichelt werden von den Besuchern, ein Highlight, neben einer wirklich schönen stehende Buddha Figur.
Dennoch sind wir positiv überrascht von der Stadt, die Gebäude sind zwar nicht von Schönheit überwuchert, dennoch ist es sehr entspannend hier. Die Menschen ignorieren uns (dies ist im freundlichen Sinne zu verstehen), sind freundlich, wenn sie auch kein englisch verstehen. Es gibt gute Restaurants und Supermärkte. Und das Klima ist hervorragend, in etwa so, wie der Sommer in Deutschland vor zwei Generationen war. Super Luft, teilweise bis 28 Grad warm, ein kurzer Regen mit Hagel der nur wenige Minuten andauert und lange Tage von 5 Uhr bis 21 Uhr.

Unseren zweiten Tag in UB wollten wir uns eigentlich um eine Visa Verlängerung kümmern. Wir fanden eine genaue Anleitung im Internet wie man zum Immigration Office gelangt. Es war sehr heiß und wir schleppten uns hin. Als wir ankamen erfuhren wir, dass dieses Büro umgezogen ist zum Flughafen, vor einigen Jahren. Trau niemals das Internet! Wir fuhren mit dem Bus eine Stunde zum Flughafen und erfuhren, dass wir ohne zusätzliches Passbild gleich wieder gehen können. Das war leider nicht unser Tag.

Morgen beginnt unsere Radtour, 500km nach Tsetserleg sind geplant. Dauer: unbekannt, Straßenzustand: unbekannt, nächste Nahrungsmöglichkeit: unbekannt, nächstes Wifi: unbekannt, aber wir melden uns dann.